Klinische Forschung: Extra X beeinträchtigt die Wahrnehmung anderer Gedanken

Dies ist die deutsche Übersetzung des Artikels „Clinical research: Extra X impairs awareness of other’s minds“ (13. Juni 2014) von Kate Yandell. Für die beigefügte Graphik und Querverweise bitte im Originaltext nachschauen, danke.

Mädchen und Buben, die mit einem zusätzlichen X-Chromosom geboren wurden, neigen zu Schwierigkeiten, die Gedanken von anderen zu verstehen, aber aus unterschiedlichen Gründen wie autistische Kinder, so eine Studie, die am 22. März in Genes, Brain and Behavior veröffentlicht wurde.

Bei Menschen mit Autismus werden Defizite in der “Theory of Mind“ – der Fähigkeit, Emotionen, Absichten und Wünsche des anderen zu verstehen – oft von Problemen mit Sprache und Gesichtererkennung begleitet. Im Gegensatz dazu stammen die “Theory of Mind“-Defizite bei Menschen mit einem zusätzlichen X-Chromosom eher vom Unvermögen, Aufmerksamkeit zu schenken, legt die Studie nahe.

Forscher haben erst kürzlich Parallelen zwischen Autismus und Störungen mit zusätzlichem X festgestellt. Männer mit zwei X-Chromosomen und einem Y-Chromosomen haben das Klinefelter-Syndrom und haben sechs Mal häufiger eine Autismus-Diagnose als die Kontrollgruppe. Es gibt weniger Informationen über Autismus-Vorkommen in Trisomie X, der Veranlagung, bei der Mädchen drei X-Chromosmen statt zwei haben. Eine Studie mit 58 Frauen mit Trisomie X fand gar keine Autismusfälle, im Einklang mit der relativen Seltenheit von Autismus bei Frauen.

Die Forscher rekruitierten 29 Kinder mit Klinefelter-Syndrom, 17 mit Trisomie X, 56 mit Autismus und 88 aus der Kontrollgruppe, alle im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. Sie schlossen Kinder mit intellektueller Beeinträchtigung aus. Sie prüften die “Theory of Mind“ bei den Kindern, indem sie sie darum baten, die Sichtweise von Figuren in Cartoonbildern mit begleitendem Text zu identifizieren. Die Kinder mit zusätzlicher X-Störung oder Autismus hatten alle verhältnismäßige Schwierigkeiten, das zu tun.

Vielfache kognitive Fähigkeiten sind notwendig, um die Gedanken von anderen zu erfassen, weswegen sich die Forscher fragten, ob die Kinder alle aus den gleichen zugrundeliegenden Ursachen diese Schwierigkeiten haben. Sie fanden heraus, dass bei Kindern mit zusätzlichem X-Chromosom die Performance bei den “Theory-of-Mind“-Aufgaben mit ihrer Fähigkeit, Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, zusammenhing, was andeutet, dass ihr Mangel an Konzentration ihre Fähigkeit sabotiert, andere Gedanken zu verstehen. Kinder mit Autismus, die mit der “Theory of Mind“ Mühe haben, neigen zu Schwierigkeiten im Verständnis und Gebrauch von Sprache und Gesichtererkennung.

Schließlich schätzten die Forscher ab, ob Schwierigkeiten mit der “Theory of Mind“ häufiger bei Menschen mit zusätzlichem X-Chromosom vorkommen, wenn sie bereits frühzeitig starke Anzeichen von Autismus zeigen. Sie fanden heraus, dass dies nicht der Fall ist. Menschen mit zusätzlichem X-Chromosom zeigen häufig soziale Schwierigkeiten, aber erfüllen nicht immer alle Kriterien für Autismus.

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