Neurologische Merkmale von 47,XXY

Im Juli 2015 erschien ein Artikel der Universität Leiden über „Neural systems for social cognition: gray matter volume abnormalities in boys at high genetic risk for autism symptoms, and a comparison with idiopathic autism spectrum disorder“ (Goddard et al.) – hier als PDF vollständig herunterladbar.

Die Studie beschäftigt sich mit den „grauen Zellen“ bei Buben mit 47,XXY. Diese haben genetisch bedingt eine hohe Wahrscheinlichkeit für Autismus. Die Ergebnisse wurden mit 46,XY und mit Buben verglichen, deren Autismus-Ursache unbekannt ist (auch idiopathischer Autismus genannt).

Einschub

Aufbau des Gehirns und die Bedeutung der grauen Substanz verständlich erklärt:

Zitat:

Alleine die Großhirnrinde nimmt in etwa die Hälfte des Hirnvolumens ein. Diese lässt sich in vier Lappen unterteilen. Hierbei übernimmt der Frontallappen die Aufgaben der Steuerung motorischer Vorgänge. Zudem ist er aber auch an der Steuerung von Antrieb, Motivation und weiterer psychischer Leistungen beteiligt. Parietal-, Temporal- und Occipitallappen dienen hauptsächlich der Verarbeitung von Signalen der Sinnesorgane. Die Sensibilität sowie alle Berührungsreize werden jedoch vom Parietallappen gesteuert. Die optischen Reize werden im Occipitallappen interpretiert. Der Temporallappen verarbeitet alle eingehenden akustischen Informationen. Die Großhirnrinde lässt sich in sechs Schichten definieren, welche über die Art und Verteilung der enthaltenden Nervenzellen definiert werden. Diese sechs Schichten tragen den Namen graue Substanz (graue Zellen).

Einschub Ende

Für die Studie hat man 16 Buben mit 47,XXY herangezogen, wovon 4 in Testosteronersatztherapie waren, sowie 16 Buben mit Autismus und 16 Buben mit normalen Chromosomensatz (46,XY) ohne gesundheitliche Auffälligkeiten („klinisch unauffällig“). Alle waren zwischen 9 und 18 Jahre alt. Keiner der Autisten wurde medikamentös behandelt. In der 47,XXY-Gruppe war der IQ niedriger, zudem traten häufiger Depressionen und Angsterkrankungen auf. 9 47,XXY-Buben wurden schon vor der Geburt genetisch identifiziert, die anderen 7 wurden über Selbsthilfegruppen und Aufrufe zur Teilnahme an der Studie gefunden. Ausgeschlossen wurden Personen mit einem IQ kleiner 60 und mit vorliegendem Substanzmissbrauch bzw. Schädigungen des Gehirns durch Tumore oder Schlaganfälle.

Um festzustellen, ob autistisches Verhalten bei den Teilnehmern vorliegt, verwendete man den SRS (Social Responsiveness Scale). Dabei wurde ersichtlich, dass selbst beim Fehlen einer formalen Autismus-Diagnose erhebliche Beeinträchtigungen bei sozialer Kommunikation und Interaktion vorliegen können. Dies trifft auf 47,XXY zu. Ebenso hat man vermehrt von Schüchternheit, sozialem Rückzug und mangelndem Durchsetzungsvermögen berichtet.

Durch Studien bereits bekannt:

Im Gegensatz zu idiopathischen Autisten sind Menschen mit 47,XXY …

  • tendenziell ängstlicher in Gesellschaft und neigen vermehrt zu sozialen Phobien
  • anders bei der Verwendung von Smalltalk, beim Teilen von Dingen mit anderen und beim Interesse an anderen Kindern
  • aufgrund gestörter Exekutivfunktionen darin beeinträchtigt, sich in die Perspektive der anderen zu versetzen („Theory of Mind“), während bei Autisten eher Sprache und Gesichtererkennung eine Rolle spielen
  • bei der Benennung von Gesichtsausdrücken verstärkt aktiv im Frontalhirn, während Autisten ihre Amygdala verstärkt aktivieren.

Folgende Gehirnstrukturen sind an der Entschlüsselung sozialer Reize beteiligt:

  • Der superior temporal cortex (super temporal gyrus, STG, und sulcus) ist für die grundsätzliche Verarbeitung von Gesichtsinformationen zuständig (z.B. Blickverlagerung und Mundbewegungen) sowie für visuelle Wahrnehmungen generell („biologische Bewegung“).
  • Die Amygala ist für komplexere soziale Bewertungen zuständig, die einschätzt, ob eine Information relevant ist und Bedrohung oder Gefahr erkennt.
  • Der Orbifrontale Cortex (OFC) beinhaltet viele Aspekte der sozialen Kompetenz und kognitiven Verarbeitung, inkl. der Bewertung von Sinnensreizen, Belohnungs- und Bestrafungsverhalten, Entscheidungsfreudigkeit, Theory of Mind, Selbstreflexion und die Wiedergabe von Gesichtsausdrücken und Identität
  • Der insular cortex vermittelt die Erkennung und Reaktion auf emotionale Reize und die Wiedergabe der eigenen Gefühle und Emotionen.
  • Der medial frontal cortex ist daran beteiligt, Gesichteridentität, Theory of Mind zu interpretieren und sein Ich von anderen zu distanzieren.

Ergebnis der vorliegenden Studie:

Nach dem SRS gibt es im Verhalten zwischen der 47,XXY-Gruppe und den idiopathischen Autisten keine markanten Unterschiede.

Die 47,XXY zeigen verglichen mit den 46,XY deutlich weniger graue Substanz …

  • im linken und rechten insular cortex
  • im linken OFC
  • im rechten STG

Die 47,XXY zeigen verglichen mit den Autisten außerdem deutlich weniger graue Substanz …

  • im linken und rechten insular cortex
  • sowie im linken OFC

Diskussion:

  1. Die Verringerung des OFC in der Studie könnte eine anatomische Ursache für Schwierigkeiten im Umgang mit äußeren Reizen, Selbstreflexion, Identität und Theory of Mind sein.
  2. Die Verringerungen im insular cortex passt zur leichteren emotionalen Erregbarkeit der 47,XXY verglichen mit der Kontrollgruppe. Sie lassen sich außerdem leichter von Emotionen bei Entscheidungen beeinflussen.
  3. Der STG spielt eine Rolle bei der Verarbeitung von Mimik- und Blickrichtungsänderungen. Die rechtsseitige Verringerung steht im Einklang mit früheren Studien zu Beeinträchtigungen bei 47,XXY.

Die Ergebnisse stehen im Einklang mit der Feststellung, dass sich eine große Zahl an X-Chromosom-Genen im Gehirn auswirkt, und 47,XXY daher anfälliger für Veränderungen im Gehirn sind.

Das zweite Ziel der Studie war der Vergleich der grauen Substanz zwischen 47,XXY und idiopathischen Autisten:

Während sich vom Verhalten her zwischen beiden Gruppe keine nennenswerte Unterschiede zeigten, gibt es bei 47,XXY Abweichungen im linken und rechten insular cortex sowie im linken OFC.

Schlussfolgerungen:

Das Autismus-Spektrum zeigt eine große Vielfalt. Zahlreiche Verknüpfungen zwischen Genen und Gehirnregionen führen zu ähnlichem autistischen Verhalten.

Frühere Studien stellten ebenso Abweichungen bei Erwachsenen fest, was darauf hindeutet, dass sich diese bereits frühzeitig manifestieren und über die Zeit hinweg recht stabil sind.

Kinder und Jugendliche mit 47,XXY und Autismus zeigen signifikante Abweichungen in Gehirnregionen, die das Sozialverhalten steuern. Das deutet darauf hin, dass das zusätzliche X-Chromosom erhebliche Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung hat.

Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Verhaltensbeobachtung alleine nicht ausreicht, um Unterschiede zwischen Autismus und 47,XXY festzustellen.

Die Zusammenhänge zwischen Genen, Gehirn und Verhalten sind sehr komplex, das betrifft nicht nur 47,XXY, sondern mitunter auch Autisten.

Ergänzung:

Während die vorliegende Studie ausschließlich auf Defizite eingeht, hat der Kinderpsychiater Dr. Jay Giedd am Nationalen Institut für Gesundheit (in den USA) geforscht und eine groß angelegte und mehrjährige Studie bei 47,XXY-Kindern unternommen. Er zeigt auf, dass die graue Substanz auf der rechten Gehirnseite vergrößert ist. Dieser Gehirnbereich steuert räumliche und rechnerische Fähigkeiten („Denken in Bildern und Mustern“). 47,XXY könnten diese Stärke dazu verwenden, die verringerten linken Gehirnbereiche zu kompensieren, die Sprachfunktionen und soziale Fähigkeiten steuert, und Defizite in diesen Bereichen erklären. (Quelle, 2013)

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What is mild autism?

Current autism diagnosis in Europe still refers to ICD-10 /DSM-IV where autism is divided into several categories like infantile autism (Kanner autism), Asperger’s syndrome, high-functional autism and pervasive developmental disorder not otherwise specified (PDD-NOS) which addresses to autism as social communication disorder without significant stereotypical behavior, restricted interests or rigid routines.

In the US, the DSM-V is already introduced merging all subtypes of autism into autism spectrum disorders, and determining severity or degree of support with additional numbers.

Most of the subtypes mentioned above are grown historically. Asperger’s syndrome has been called after the Austrian psychiatrist Hans Asperger while Kanner autism has been called after Leo Kanner. High-Functional Autism (HFA) is said to be classic autism from early childhood but with higher intellectual abilities (Tony Attwood doubts the differentation in HFA and Asperger’s syndrome is necessary). PDD-NOS covers the atypical autism when core autism symptomes are present but the development is atypical (which is often the case with 47,XXY-people).

In any case, there are a few key features of autism present in all subtypes:

  • enhanced sensitivity to sensory stimuli (sensory processing disorder, high emotional sensitivity, impaired gross and fine motorics) as „intense world syndrome“
  • different way of thinking, oftentimes pattern or visual thinking
  • difficulties to pick up social cues, prosody, facial expressions, reading between the lines

In some journals, self-support guides and parental reports, Asperger’s syndrome and PDD-NOS are considered as mild autism, attempting to euphemize the consequences of this diagnosis.

The perspective of mild autism may arise from the absence of

  • intellectual disability (i.e., IQ < 70)
  • rigid routines and rituals, stereotypes and repetitive behavior (making everydaylife and employment difficult to organize)
  • inability to speak
  • necessity to have full-time health care or special education/schools.

However, if you ask people with Asperger’s or PDD-NOS themselves, they will probably answer very different how severe they are affected. A study of Asperger’s and HFA asking them about their life quality has shown that the entire lifetime was characterized by ill-defined social development. Social difficulties are highly dominating throughout childhood and youth and will slightly decrease during adulthood. Growing up, the motivation to encounter social contacts increases but friendships are still relatively seldom reaching adulthood. The lack of partnership is specific for HFA/Asperger’s. With respect to therapy and support, comprehension, acceptance and emotional support are considered as most helpful for these persons.

*

Even if someone with Asperger’s syndrome seems to function well in everydaylife, they might suffer from difficulties having and maintaining friendships, from continuous misunderstandings and erraneous picture of their personality. Someone who tends to talk in monologue might be perceived as arrogant and selfish while the opposite is actually the case. What you don’t realize, either, is the degree of sensory processing disorder. They may feel painful when background noise is given and are unable to have a conversation in a loud environment, which is a serious problem going to a busy party, into a loud restaurant or to a concert but also at work when many distractions are present.

You may not notice they have great difficulties with executive functions like planning, organisation, dealing with sudden changes, new things or simple housework stuff. They might have difficulties to accept a phone call or to call a stranger as it is often the case with public authorities. They would enjoy many opportunities but are unable to predict the unexpected to realize it.

As a summary, mild is a relative term because it is a judgement from outside.

  • Some severely autistic people want to be freed from their cage – they’re suffering from high amounts of incoming sensory stimuli.
  • Other severely affected autists may deal better with their situation and perhaps don’t consider themselves as severely affected.

The same holds true for so-called high-functional or Asperger’s or PDD-NOS autists:

  • Some of them might deal so well they are not even officially diagnosed. They have a job, partnership, kids and are satisfied with their life quality.
  • Some are diagnosed soon or later during their lifetime but are still able to manage well their situation.
  • And quite a lot of them are considered to have mild autism but suffer from lacking comprehension and acceptance.

If they tell about their suspicion or even official diagnosis, nonautistic people tend to imagine stereotypic pictures of classic autism and are unable to transfer this prejudice to their close friend or colleague or son/daughter. They may look at their „confession“ as an excuse instead of a reason for their odd behavior. They still believe it would be sufficient to „change the attitude“, „pull one’s socks up“ and „buck up“. To be seen as someone who pushs too hard is very disappointing and hurting for people with „mild“ autism. Life is difficult enough. Comprehension would relieve the lonely pain.

So if you talk or write about mild autism, especially about someone you know or want to describe, just ask them before if they agree with you.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über 47,XXY und Klinefelter-Syndrom (2015)

Vor kurzem ist ein neuer wissenschaftlicher Artikel aus Dänemark erschienen, und zwar von Skakkebaek et al. (2015). Er trägt den Titel

Neuropsychology and socioeconomic aspects of Klinefelter syndrome: new developments

Die Absicht der Autoren war, vom Hörensagen und kleinen Studien wegzugehen und stattdessen die neuesten Artikel mit groß angelegten Studien zusammenzufassen. Daher gibt es kaum Erwähnungen von Genderidentität, Reizfilterschwäche und anderen Themen, zu denen es bisher kaum Studien gibt. Die Autoren sind Teil einer großen Klinik mit mehr als 300 Betroffenen und haben im Laufe der vergangenen Jahre beträchtliches klinisches Wissen angesammelt. Entsprechend konnten sie große klinische Studien mit Klinefelter-Betroffenen durchführen.

Zusammenfassung

Blau markiert eigene Anmerkungen

Verbaler Ausdruck, Verhalten und psychische Begleitdiagnosen

Die Mehrheit der XXY-Menschen hat Defizite bei den verbalen Fähigkeiten, entsprechend sind die IQ-Werte auch leicht unterdurchschnittlich. Am häufigsten sind eine verzögerte Sprachentwicklung im Kindesalter, generelle Lernbehinderungen beim Lesen und Buchstabieren, flüssigem Sprechen, bei Satzbau, Wortfindung, Verständnis und Entschlüsselung mündlicher Informationen sowie eine verzögerte Verarbeitung des Gesagten. Ebenso sind die Exekutivfunktionen betroffen (Aufmerksamkeit, Pläne machen, Anpassungsfähigkeit der Impulskontrolle (response inhibition flexibility).

Im Gegensatz dazu gibt es keine Beeinträchtigung im räumlichen und visuellen Sehen sowie des Leistungs-IQ (performance IQ). Studien des amerikanischen Kinderpsychiaters Jay Giedd zeigen sogar, dass das visuelle und räumliche Denken der XXY eine Stärke ist. Viele XXY haben außerdem ein gutes Bildergedächtnis.

XXY-Menschen weisen ein charakteristisches Persönlichkeitsprofil auf, das aus höherer emotionaler Instabilität (Neurotizismus) und geringerer Extrovertiertheit, Offenheit gegenüber Erfahrungen und Pflichtbewusstsein besteht. Einzelbeobachtungen von XXY-Menschen bestätigen das – Ängstlichkeit, erhöhe emotionale Erregbarkeit, emotionale Schwierigkeiten, Schüchternheit, ruhiges, passives, verschlossenes Verhalten und Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen treten gehäuft auf.

Bei XXY werden generell gehäuft Depressionen diagnostiziert ( 70 % bei XXY vs. 35 % bei der Normalbevölkerung), Autismus (11-27 % vs. 2-3 % bei Buben und Männern) sowie ADHS (63 % vs. 5 %), ebenso Angsterkrankungen und Schizophrenie. XXY leiden häufiger unter psychischem Stress und höherer emotionaler Instabilität, was zu Depressionen und Angsterkrankungen beiträgt.

Unterschiede in den Gehirnregionen

  • Das Gesamtgehirnvolumen sowie die der grauen und weißen Materie sind deutlich kleiner.
  • Ebenfalls kleiner sind die des Schläfenlappens, Hippocampus und der Amygdala.
  • Außer einer Studie zeigen alle keine Korrelation zwischen Gehirnvolumen und kognitiver Leistung. Bedeutender scheinen daher kleinräumigere Gehirnunterschiede.
  • XXY-Menschen zeigen eine verringerte Aktivität in den Gehirnregionen, die mit der Verarbeitung von Gesichtsausdruck (untere Schläfenregionen) und des limbischen Systems (Amygdala, Insula) zusammenhängen.

Inwiefern die Herkunft des X-Chromosoms von Mutter oder Vater, die Inaktivierung des zweiten X-Chromosoms und die CAG-Repeat-Länge des Androgen-Rezeptors eine Rolle spielen, ist noch ungeklärt.

Bildung, Lebensstandard, Sterblichkeit und Kriminalität

Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass Verhaltensauffälligkeiten, Lernbehinderungen, niedrige Bildungsabschlüsse und Kriminalität vorhanden sind. Ebenso führen viele aber auch ein normales Leben und der Einfluss der Klinefelter-Syndroms verringert sich mit fortschreitendem Alter. Das soziale Umfeld und frühzeitiges Eingreifen sind sehr wichtig. In Ländern und Regionen mit wenig erfahrenen Spezialisten ist der therapeutische Nutzen möglicherweise weniger zufriedenstellend, und im zunehmenden Alter können sich depressive Verstimmungen und Ängste eher verschlimmern.

XXY-Menschen sind deutlich seltener in einer Beziehung, gehen später in eine solche und werden seltener und später Vater. Immerhin 25 % der in Dänemark registrierten XXY-Männer sind Vater geworden, vermutlich großteils aufgrund von Spendersamen.

Niedrige Bildungsabschlüsse führen zu geringerem Einkommen während der gesamten Lebenszeit, viele scheiden vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus (43,5 versus 60,3 Jahre). Die Sterblichkeit ist fast doppelt so hoch, wenngleich teilweise durch Zusammenleben mit dem Partner und Bildungsabschluss beeinflusst (ohne diese weniger auffällig). Die Kriminalität war generell unauffälliger, wenn man den sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund berücksichtigt hat.

Nur 25 % der XXY werden diagnostiziert, die Mehrheit erst im Erwachsenenalter.

Daraus resultieren zahlreiche Probleme:

1. Alle derzeitigen XXY-Studien unterliegen möglicherweise einem Selektionsdruck und das derzeitige Wissen umfasst nicht die nichtdiagnostizierten Fälle.

2. 90 % der XXY bleiben bis zum 15. Lebensalter unentdeckt; damit wird ein wichtiges Fenster verpasst, wo man Symptome korrigieren oder abschwächen kann.

3. Das derzeitige Diagnoseverfahren sollte geändert werden, und ein neues eingeführt werden, z.B. XXY durch den Guthrie-Test bei Neugeborenen zu diagnostizieren.

Eine frühzeitige Diagnose kann dazu beitragen, die kognitiven Funktionen, Lernen, verbale Fähigkeiten und Verhalten zu verbessern, vorausgesetzt, die frühzeitige Testosteronergänzungstherapie ist effizient und neuropsychologische Intervention vor der Pubertät effektiv.

Ebenso kann die körperliche Gesundheit verbessert werden, da eine erhöhte Gefahr für Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom und Osteoporose bestehen.

Schlussfolgerung:

Der neurokognitive Phänotyp des Klinefelter-Syndroms ist klar abnormal und die Notwendigkeit psychologischer und kognitiver Behandlung ist in vielen Fällen offensichtlich. Abnormal mag aus klinischer Sicht richtig sein, aus Sicht eines XXY würde ich trotz aller Probleme VERSCHIEDEN sagen.

***

Weitere (eigene) Anmerkungen:

1. In der Genetik und Verhaltenswissenschaft konzentriert man sich normalerweise auf Defizitdenken bei genetischen Anomalien, dennoch wäre es für uns Betroffene hilfreich, wenn man auch Stärken und positive Eigenschaften hervorheben würde.

2. Die große Mehrheit dieser Studien verwendet den Begriff „Männer oder Buben mit Klinefelter-Syndrom“, womit stets eine Minderheit an XXY-Menschen vernachlässigt wird, die sich nicht als Männer identifiziert. Entweder weil sie intersexuell geboren wurden, oder als Transgender, die als Heranwachsender oder Erwachsener später als Frau durchgehen wollen. Andere identifizieren sich zwar als Mann, aber lehnen die Maskulinisierung durch die Testosterontherapie dennoch ab. Ein paar XXY haben außerdem das Androgen-Insensitivitäts-Syndrom (CAIS) und Testosterontherapie ist für sie keine geeignete Therapie. In der XXY-Community wird heftig darüber gestritten, ob ein frühzeitiges Eingreifen durch Testosterontherapie für alle XXY-Kinder einen Nutzen darstellt, da Transgender oder Personen, die nicht maskulinisiert werden wollen, mitunter nicht dafür geeignet sind oder stattdessen sogar eine Östrogentherapie benötigen. In diesen Fällen scheint der Begriff Klinefelter-Syndrom (der sich auf Hypogonadismus = Testosterondefizit bezieht) nicht angemessen.

Auf meine Nachfrage haben die Autoren geantwortet, dass sie bisher ein paar XXY-Menschen trafen, die schwul sind und sehr wenige als intersex und transgender identifizieren. Dennoch zeigt ihre Forschung keine Hinweise darauf, dass dies häufiger bei XXY als unter Männern allgemein vorkommt. In ihrer Klinik betreuen sie auch Transgender und CAIS-Menschen und sind daher im Umgang mit dieser Patientengruppe vertraut.

Sie raten zur Testosteronergänzung nicht als Allheilmittel, sondern zu einer maßgeschneiderten Therapie für den Einzelnen. Manche erhalten Spritzen, andere Gelanwendung auf die Haut. Sie raten außerdem jedem dazu, beide Formen zu benutzen, um zu entscheiden, was das beste für den einzelnen Patienten ist.

3. Die Reizfilterschwäche wird bisher nur stiefmütterlich in der Forschung behandelt. Es gibt darüber bisher nur eine Studie, die bestätigt, dass Reizfilterschwäche bei XXY gehäuft auftritt.

Van Rijn et al, Psychophysiological Markers of Vulnerability to Psychopathology in Men with an Extra X Chromosome (XXY), PLoS ONE, 6(5): 2011

Bei AXYS gibt es dazu einen Handout über sensory processing disorder sowie zahlreiche Berichte über motorische Schwierigkeiten, die ebenfalls bekräftigen, dass die Reizverarbeitung bei XXY anders funktioniert. Umfragen in der XXY-Community zeigen außerdem, dass sich die Reizsensitivität nicht nur auf Geräusche beschränkt, sondern alle Sinne umfasst, ebenso Sehen (Bewegungen), Geruch/Geschmack und Berührungen. Viele XXY sind außerdem emotional sehr sensibel bis hochsensibel („6. Sinn“).

Verbale Defizite, Sensibilität und Motorik („Sensomotorik“) zählen zu den wichtigsten Merkmale des autistischen Spektrums. Mitunter handelt es sich bei XXY um einen möglichen spezifischen Subtyp der breiten „Autismus-Landschaft“, der eher dem weiblichen Autismus ähnelt:

Furthermore, when analyzing results of the SRS, girls were found to have more difficulty with comprehending social cues, such as understanding the tones or facial expressions of others, understanding jokes or idioms and how to engage in a two-way conversation. Boys were found to have deficits in those domains as well as in the realm of repetitive and self-stimulatory behaviors, such as hand flapping, body rocking or scripted talk. (Quelle)

Brain, behavior and life of XXY people: a new study (2015)

The entire title of the paper is „Neuropsychology and socioeconomic aspects of Klinefelter syndrome: new developments“ by Skakkebaek et al. (2015)

I will summarize the most important findings of the paper and will add some points I missed to be discussed.

Behavior, psychiatric conditions and brain differences:

Verbal abilities are most severely affected, IQ scores are slightly lower than average.

The majority suffers from …

  • delayed early language development
  • general learning disabilities in reading and spelling
  • impairments with production of syntax, phonemic processing, word retrieval, comprehension, encoding verbal information and decreased processing speed, verbal fluency
  • executive dysfunctions related to attention, response inhibition flexibility and planning

In contrast, visiospatial function and performance IQ seem to be unaffected. (1)

There is a charateristic personality profile of XXY people, displaying a higher level of neuroticism (emotional instability) and lower levels of extraversion, openness to experience and conscientiousness.

These data are confirmed by anecdotal descriptions revealing

  • anxiety
  • increased emotional arousal
  • serious emotional difficulties
  • being unassertive
  • quiet
  • passive with withdrawn behaviour
  • having difficulties in approaching new events

Psychiatric conditions associated with XXY

  • Depression (35 % in general population, 70 % in XXY)
  • Anxiety
  • Schizophrenia
  • Autism (prevalence of 1 % in the general population, 11-27 % in XXY)
  • Attention-deficit/hyperactivity syndrome (5 % in general, 63 % in XXY)

XXY is often associated with increased level of psychological distress. Higher levels of emotional instability contribute to increased risk of depression and anxiety.

Brain differences

  • Global brain volume, total brain volume, total gray and white matter volumes were found to be significantly smaller in XXY.
  • Volumes of temporal lobe, hippocampus and amygdala were also smaller.
  • All studies except one didn’t find any correlation between cognitive performance scores and brain volumes.

It is assumed that microchanges of brain structures are more important.

Van Rijn examined the brain activity during social judgements of faces and found that XXY people had decreased activity in brain regions related to face processing (inferior temporal regions) and to the limbic system (amygdala, insula). Two other studies found that decreased language activation and/or decreased language lateralization in the posterior temporal language regions were present.

There is still uncertainty about the exact mechanisms of parental origin of the extra X chromsoome, X-chromosome inactivation and androgen recepter CAG repeat length.

Education, living, mortality and criminality

Several studies suggest that behavioral problems, learning disorders, poor educational outcome and criminal conduct could be seen.

It is also emphasized that many led normal lives and the impact of syndromal effects subsided with advancing age. (2)

XXY men  …

  • have significantly fewer partnerships
  • enter later into such partnerships
  • achieve fewer fatherhoods and for those who had luck they occur later

However, at least 25 % of all Danish Klinefelter Syndrome were registered as fathers, probably mostly due to donor semen donation.

Data also show that …

  • educational level is low leading to a lower income throughout their lifetime and that many retire early (43,5 vs. 60,3 years)
  • mortality is almost doubled, partly influenced by cohabitation and educational status (without them, less prominent)
  • criminality is enhanced for sexual abuse, arson, burglary and ‚other offenses‘ but decreased for traffic crimes (3)

If the social and economic background is taken into account, the risk is generally reduced.

XXY are relatively seldom diagnosed…. There are long delays and frequent-false negatives. Only about 25 % are diagnosed, and the majority has to wait until adulthood.

Several problems follow:

1. all current XXY studies may have selection bias and the present knowledge may not cover the undiagnosed cases.

2. 90 % of XXY remain undiagnosed until after 15 years of age, missing an important window of opportunity for correcting or alleviating the symptoms

3. we should change our current diagnostic strategy and introduce a new one, diagnosing XXY on blood from neonatal heel prick test (Guthrie test).

Early diagnosis would improve

  • cognitive functions, learning, verbal abilities and behavior, if it turns out that early testosterone supplementation is efficient, and that neuropsychological intervention before puberty is effective.(4)
  • the unhealthy body composition, with increased risk of type 2 diabetes and metabolic syndrome seen in adulthood, as well as bone structure.

Future:

Studies are currently missing focusing on proper treatment or intervention to better the phenotype.

neurocognitive deficits, linked to dyslexia and other learning-related problems, may well lead to poor socioal and economic outcome.

A holistic approach is needed.

Conclusion:

The neurocognitive phenotype of Klinefelter syndrome is clearly abnormal (5) and the need for psychological and cognitive treatment in many cases is evident.

*

Remarks on statements:

(1) „visiospatial function“ seems to be unaffected.  Studies by Jay Giedd show that visual and spatial thinking of XXY people are actually a strength of their thinking architecture. So, visiospatial function isn’t only normal but better pronounced. A lot of XXY people have a good visual memory.

(2) The social environment and intervention is very important. In countries and regions with poor density of experienced specialists, therapeutic outcome will be probably less satisfying, and increasing age could strengthen depressive mood and anxiety.

(3) The enhanced risk to commit crimes of sexual abuse [and arson] could probably be related to inappropriate testosterone supplement therapy. Overdosing testosterone might enhance emotional instability and overemphasize masculine behavior of males. It would be interesting to know whether the participants were already taking testosterone supplements and whether on a daily basis (self-medication) or in larger intervals (injections).

(4) It is important to emphasize that testosterone supplement is neither a one-cure-for-everything therapy nor necessarily suited for all children and adolescents. See additional remarks.

(5) The neurocognitive phenotype of Klinefelter syndrome is clearly DIFFERENT.

Additional remarks:

1. Though I know that science in genetics and behavior usually concentrates on deficit thinking in genetic anomalies, it would be helpful for us affected persons to highlight strengths and positive outcome. Anecdotal descriptions reveal enhanced sense of creativity, sensitivity, social justice, honesty, enhanced detail perception, good visual memory/long-term memory, good with animals.

2. In the vast majority of these studies and papers, the term „men or boys with Klinefelter syndrome“ is used, neglecting a minority of XXY people who do not identify as men, for different reasons… Either there are born intersex, or born as transgender preferring to transition into female later as a teenager or adult. Some identify as male but don’t feel well with masculinization through testosterone supplement therapy, either. A few XXY are also reported to have androgen insensitivity syndrome and testosterone therapy will probably not work for them.

One of the most difficult and heavily discussed topics in the XXY community is whether early intervention with testosterone therapy is a benefit for all XXY children, as transgender or persons who don’t want to be masculinized may not be suited to receive additional testosterone or even require estrogen therapy instead.  In these cases, the term Klinefelter’s syndrome referring to hypogonadism (testosterone deficit) doesn not seem to be appropriate.

I hope we – as XXY community and individuals – are able to convince the scientific community to put more focus on gender identity in XXY before recommending one-size-fit-all-cures for young XXY.

3. I missed some lines about sensory processing disorder. There is only one study about that:

Van Rijn et al, Psychophysiological Markers of Vulnerability to Psychopathology in Men with an Extra X Chromosome (XXY), PLoS ONE, 6(5): 2011

confirming sensory gating disorder in XXY (in other words, XXY often have difficulties to filter out background noise/distraction)

The existence of a handout about sensory processing disorder on AXYS as well as several reports about motoric difficulties suggest that sensory processing and integration disorder is likely to be common in XXY.

Anecdotal evidence is furthermore given about enhanced sensitivity to sensory stimuli like noise, light, motions, smell/taste and touch suggesting a crucial commonality with autism spectrum conditions. One should probably think of XXY as possible specific subtype of the large autism landscape.

Different ways of communication

I’ll go back to XXY experiences here.

For most of the people, the typical way of discussing important things is the face-to-face way. People who are verbally not impaired prefer the verbal way of communication. They tend to refuse the written form because they assume it’s much easier just to meet and clear the issue exchanging arguments, instead of writing long e-mails and having to answer in a similar way. It costs too much time. If you’re asking therapists or coaches, they will tell you the same – it’s better to settle a difference face to face than with an e-mail or by other sorts of written communication (SMS, messenger, whatsapp, etc…).

Face-to-Face Communication is a Minefield

What I learned about myself is that communication is a minefield irrespective of the chosen form. However I struggle much more with face-to-face communication than in a written form.
When I’m face to face with a person to whom I have an important discussion (no chit-chat) where I intend to carry my point, I struggle with finding the right wording and I can’t even built complete sentences, neither in german nor in english. Auditory processing delay may contribute to losing the threads as I need time to think about what was said but discussion is already advancing and I risk to forget what has been said. I also tend to  focus on what I will say instead of listening. I often end up argueing lousy, putting up arguments which are – of course – too emotional and not fact-based enough to convince the person whom I’m talking to. It also happens that I come up with a certain intention and during the discussion I just lose the thread while talking. I’m aware of losing my thread and that the discussion runs into a false direction and runs the risk of ending up with a potential worst case scenario (i.e., I didn’t succeed but things are getting even worse after the talk) but I can’t stop it.

Shutdowns and pondering may result

After such discussions I’m often totally exhausted needing a rest in a quiet place. Hypersensitivies worsen after such ’socialising‘ and every noise and every movement in my surroundings are just too much. I feel the strong impulse to withdraw and I have to avoid crowds of people not to run into a panic attack. Sometimes, I become silent and I don’t want to answer or to speak for hours (shutdown). In other cases, I tend to become very sarcastic, and people are wondering about my choice of words, especially when sarcasm is inappropriate in that situation. After worst case scenario discussions I have a long time upcoming when I think about the course of the discussion and what I should have said instead. Ruminating about the correct choice of words and arguments is a typical consequence of face-to-face discussions. I know that from other XXY people, too.

Distractions contribute to lose the threads

Communication for many of us means for the counterpart they need to give us more time. While our minds are stuffed with thoughts, with many options and arguments, expressing our thoughts is delayed. Word finding is often an issue, and bad short-term memory prevents us from recalling the facts-based arguments. If you can’t avoid a face-to-face discussion, it seems to be appropriate to take notes as much as possible. Bring notes to recall your arguments and take notes from the counterpart to remember important statements. Depending on the surroundings we also highly suffer from distractions. People talking simultaneously, construction noise, a vacuum cleaner, ticking clocks, a radio playing  in the background – this noise may be highly distracting and contributes to quickly losing the thread in a discussion. The same holds for interruptions when another person enters the room and wants something.

Body language and facial expressions might be misleading – for both

Besides distractions and losing threads, we have difficulties recognizing facial expressions. We are able to distinguish between good (happy) and bad (angry, sad) faces but we have great difficulties distinguishing between angry and sad faces. In an important discussion we might miss the point when we should stop argueing before situation escalates.  The message carried out by our own facial expression might differ from the things we actually say and may confuse the counterpart. It may end up that the counterpart doesn’t believe us when we try to argue and body language and facial expressions look guilty or we even smile accidently while talking about something serious.

As said in the beginning, face-to-face communication is a minefield for MANY of us. I still want to emphasize that MANY XXY struggle with similar problems but not ALL.

Main advantages for writing are …

  • It allows me to gather my thoughts and speak without getting upset.
  • It allows me to think about what I’d like to argue for, and I also have time to think about the answer before answering myself.
  • I have the chance to bring my arguments step by step, without the risk to loose my thread.
  • I’m not distracted by the surroundings or by misleading facial expressions (I don’t notice when someone is pretending an attitude).
  • I have notes which are easy to recall while verbal statements may be lost after a short time.

Of course, I’m aware of the advantages of face to face but these advantages aren’t valid for ME. I also know I can’t avoid the disadvantages of writing, like misleading statements because the counterpart doesn’t see my face and body language (probably better, he/she doesn’t) while making this statement. He might interpret it in a wrong and potentially damaging way for our relationship, depending on his picture (and prejudice) about me. Verbally communicating people dislike writing because it costs time. Why write a long e-mail when you could simply make a phone call or meet the other person in place?

Different is not worse!

Last point which is important for me… I described different ways of communicating, neither a right nor a wrong way to do it. In my opinion, both ways are valid and value-free. There are much more people out there preferring writing, like people with autism (especially the nonspeaking ones), people with mutism, deaf people. You could even have had a disease preventing you from talking. No matter what reasons or causes let you prefer writing instead of verbal communication – it’s a legitimate form of communication.

Exkurs: Sensory Processing Disorders (Sinnesverarbeitungsstörungen)

Der Oberbegriff Sensory Integration ist eine Theorie, die beschreibt, wie das Nervensystem Sinnesinformationen in Handlungen übersetzt. Verhalten basiert auf neurale Prozesse.

Die entsprechende Verarbeitung und Einbindung von Sinnesinformationen (sensory information) ist eine wichtige Grundlage für anpassungsfähiges Verhalten.

Das Gehirn ist dafür verantwortlich, etwas wahrzunehmen, zu verarbeiten, einzubinden und das Verhalten zu beeinflussen (während der Tätigkeit).

Es gibt 7 Sinne:

  1. Sehen
  2. Schmecken
  3. Hören
  4. Riechen
  5. Tastsinn
  6. Proprioception (Körperwahrnehmung)
  7. Vestibular (Gleichgewichtssinn)

sensoryprocessingdisorder

Quelle: www.genetic.org

Zu den Sensory Processing Challenges (Sinnesverarbeitungsherausforderungen) zählen

Sensory Processing Disorder/Dysfunction
Sensory Integration Disorder/Dysfunction

Die Sensory Processing Disorders (SPD) teilen sich wiederum auf in

  • sensory-based motor disorders (sinnesbasierte motorische Störungen), etwa Dyspraxie (Koordinations- und Entwicklungsstörung) und Haltungsstörungen
  • sensory discrimination disorders (Sinnesunterscheidungsstörungen)
  • sensory modulation disorders (Sinnesregulierungssstörungen)

Letztere zählen zu den Kategorien, die Temple Grandin in Kapitel 4 als „frühere Kategorisierungen“ benennt.

Sowohl Über- als auch Unterreaktion sind jedoch die Folge von zu viel Information (sensory overload), die infolge einer Reizfilterschwäche (Sensory Gating Disorder) entsteht – wobei sich diese meist auf äußere Reize bezieht, auch innere Reize, zu viele Gedanken, etc. können überlasten.

Unterscheidung zwischen Hochsensibilität und Reizfilterschwäche [bei Autisten] möglich?

Die ursprüngliche Idee für diesen Blogbeitrag war die Suche nach einer Unterscheidung zwischen Hochsensibilität und Reizfilterschwäche, wobei davon ausgegangen wurde, dass Hochsensibilität bedeutet, Reize besonders intensiv wahrzunehmen, während eine (autistische) Reizfilterschwäche mit der Menge an Reizen zusammenhängt, und somit alle Reize gleich wichtig erscheinen.

Die englische Entsprechung für Hochsensibilität ist  Sensory Processing Sensitivity. (Quelle)

Nach Acevedo et al. (2014) zeigen Hochsensible verstärkte Gehirnaktivität in Regionen, die Aufmerksamkeit und Handlungsplanung einbeziehen, sowie Bewusstseinsbildung, Einbindung von Sinnesinformation und Empathie, Hochsensibilität ist zudem großteils angeboren.

Reizfilterschwäche wird meist gemessen, wenn durch Tests wie PPI und P50 mehr Reize zum Gehirn durchdringen als bei nichtbetroffenen Menschen: Hintergrundinformationen.

Bei XXY und Autisten hat man eine Reizfilterschwäche (die PPI betrifft, P50 aber nicht) nachweisen können.

Bei ADHS hat man P50-Defizite nachgewiesen, ebenso wie bei Schizophrenie, in beiden jedoch nicht PPI (Quelle).

Reizfilterschwächen findet man auch bei Depression, Angsterkrankungen und Borderline, aber in wahrscheinlich allen Fällen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde.

Frage aus Interesse:

Was zeigen die fMRI-Studien bei Reizfilterschwächen in den genannten Krankheitsbildern für aktivierte Gehirnareale?

Social exclusion: no, thanks!

The doctor says: Don’t tell it your employer, you will loose your job!
The humangenetic counselors say to parents: Don’t tell it anyone, your child could be stigmatized as intersexual.
The german Klinefelter association says: Don’t tell it anyone, you could be stigmatized as intersexual.

So, why should you not talk about it? Right, because there is a lot of prejudice. Prejudice like …

  • among physicians … when you mention Klinefelter’s syndrome and they answer: Aren’t these the people with thick necks who are mentally retarded?“ Or when a gynecologist said to a young mother: „Abort the child, our society prefers healthy childs.
  • among 99 % of the general population who got never in touch with Klinefelter’s, at the most in biology in school where infertility and lack of testosterone are the main topic. I assume similar experiences during medical school when rare conditions are hardly mentioned. Noteworthy to say that Klinefelter’s is solely to be seen as rare due to the large number of undiagnosed men. If 70 oder 80 % of the XXY populuation was diagnosed, research interest and lobbyism would be greater.
  • As I went to the genetic counselor, they did not tell me anything about psychological effects of Klinefelter’s syndrome. The german Klinefelter association rejects statements going beyond shyness, passiveness and sensibility (which are addressed to the lack of testosterone) and subsequently say it has nothing to to with KS.
  • The austrian support-group also refuses a connection of Klinefelter with enhanced sensitivity to sensory stimuli while detailed talks are given about this topic by AXYS, the american association for X and Y chromosome disorders.

Nobody is able to explain so far how kids with hardly measureable hormone values between mini-puberty and later puberty can show a lack of testosterone. Even if there is a lack of testosterone before birth or with neonates, the hormone unbalance is responsible for essential influence on the brain development in this state of a young life. It may even modify specific brain regions that they resemble the brains of ADHD-brains – according to studies –  as well as from other conditions. Given a prenatale brain development, additional testosterone can’t reverse it just so simple, maybe in some parts of the brain but not in all of them.

My personal opinion is we need to destigmatize XXY and Klinefelter’s syndrome step by step:

Step 1: Everyone with XXY should be invited to an open discussion, even those who do not fit into the scheme of a Klinefelter prototype, like those who are diagnosed psychiatrically or define themsevels as intersex. Open exchange is the precondition not be excluded even among XXY which is a double penalty when you feel as a social outcast in everydaylife. 

Step 2: Physicians, specialists and support group heads have to admit that the second X chromosome may also play a role as the lack of testosterone is caused by the second X.  Open discussion about causes should be possible, at best in exchange with other organisations, e.g. AXYS or Klinefelter Netherlands which possess much more information about it.

Step 3: It has also to be admitted that depressions with XXY men are not only the result of infertility and lack of testosterone but may also be associated with feeling the otherness.

Step 4: Elucidating intersexuality. There are different definitions of intersexuality – not every intersex is a hybrid/hermaphrodite. If prevalence for being intersex among XXY was not actually enhanced compared with the total population, there would be not a reason to refuse the participitation at studies like „dsd life study“. Even if the study turns out many XXY were intersex, it does not mean they should be excluded from discussions about XXY.

Step 5: Clarifying conditions with different (sensory) perception (to call it neutrally and not only pathologically), including autism, ADD/ADHD and schizophrenia. The identity of these conditions often bears creative people having strengths and weaknesses like anyone else. Keywords like trending diagnosis and vaccination damage are unserious and imply it is a disease, not different perception. [though I’d like to point out that severe forms of these conditions may seriously impair one’s daily life] Weaknesses, health impairments can be treated, therapied or one can just try to live with it but strengths must be discovered and encouraged, they do not need a cure. They belong to one’s identity, here: to chromosome variation XXY.

Step 6: Disclosing might be helpful when the condition causes difficulties to communicate and interact. If you are not impaired, you may not see a reason to talk about it. If you feel enhanced mental stress and if you’re struggling with your social environment, however, you should feel accepted and not rejected in local support groups and associations. You should be able to to talk about any topic without being censored and you should ask questions without being slapped with „That has nothing to do with KS“

The self-proclaimed guards of the truth, however, are not open to findings in non-german language. Not all of these findings can be discarded with the argument, the pharmaceutical companies manipulate all studies in the USA. It is already sufficient to look at the raw data instead of conclusions. In addition to that, I mostly use references originating from other countries like Netherlands, Denmark or Sweden. With respect to the inflation of psychiatric diagnoses in the USA (I’ll write a separate blog entry to that topic), an ADHD or autism diagnosis should not be necessarily stated if not all criteria are fulfilled. However, the present symptomes could be treated anyway – only in serious cases with drugs – when therapy strategies with ADHD or autism are considered.

Examples:

1. The child suffers from sensory overloads. XXY children often need more time to process verbal information due to impaired cognitive abilities and distraction by sensory stimuli. Short-term memory (working memory) may play a role, too. Approach: Give enough time, don’t press the child, practice emotional awareness, don’t tell verbal information when too much sensory information is present (e.g. when the television or radio is running in the background)

2. The child has difficulties to manage tasks in an appropiate time. Approach: Use „if-then-lists“ instead of „to-do-lists“. If I tidy up my room, I may play with the children. If I do my homework, a friend may visit us.

Such targeted therapy appreaches might work even without a diagnosis, but current state is that you need an additional diagnosis to Klinefelter’s syndrome because ….

  1. Klinefelter’s syndrome, as it is defined by physicians and in support groups, does not cover all observed behaviorial traits.
  2. the social environment does not know how to deal with your „Coming Out“ of Klinefelter’s syndrome, or they assume testosterone substitution settles the matter and it’s only your problem and one does not have to change his behavior (e.g. clear instructions without the need to read between the lines, better written than verbal information, consider sensory overload)
  3. only an additional diagnose is able to give otherness a name

Main problem is, see step 5, that additional psychiatric diagnoses are burdened with lots of prejudice. Now I know quite a few diagnosed people and I’m far away to think in stereotypes about them. Yet, you can’t expect this from the majority in your everydaylife but you can push them into the right direction, by good references and balanced articles, and unmasking aged information. It is also important to emphasize the worst case must not happen. Many bloggers in the blogroll (see the right column next to the article) explain how ADHD and autism look like, much better than Wikipedia or a textbook.

At the end, the concerned person is the best contact because he knows what a diagnosis means for himself. In any case, you should consider the individuality of each person.