Neurotypische verstehen – Übersetzung einer Satire

Folgender Text ist die Übersetzung aus dem Englischen: „Understanding neurotypicality“ (Link zum Original)

Neurotypismus verstehen

Neurotypismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die wahrscheinlich von Geburt an besteht, und in der die betroffene Person die Welt in einer sehr eigenartigen Weise sieht. Es ist ein Rätsel; ein Mysterium, das die Betroffenen in einen lebenslangen Kampf um sozialen Status und Anerkennung gefangen hält. Nahezu alle neurotypische Individuen zeigen drei wesentliche Beeinträchtigungen:

  • die Unfähigkeit, unabhängig von einer sozialen Gruppe zu denken,
  • ausgeprägte Beeinträchtigungen beim logischen und kritischen Denken
  • sowie das Unvermögen Spezialinteressen zu entwickeln (abseits sozialer Aktivitäten).

Meine Hoffnung ist, dass dieser Artikel uns dabei hilft, die sehr verschiedenartige Welt der Neurotypischen zu verstehen.

Neurotypische Individuen offenbaren Schwierigkeiten bei der Bildung einer individuellen Identität, bzw. außerhalb der Grenzen der akzeptierten Normen ihrer sozialen Gruppen zu denken. Offensichtlich besitzt jede Gruppe, zu der ein Neurotypischer gehört, ihre eigenen „offiziellen“ Ansichten, und jeder Neurotypische innerhalb dieser Gruppe soll diese Überzeugungen übernehmen. So seltsam das klingt, sie tun das oft sehr bereitwillig und zögern nicht dabei, diese Überzeugungen zu verstärken und die Gruppenhomogenität zu dieser Überzeugung zu gewährleisten.

Es scheint einen angeborenen Trieb bei Neurotypischen zu geben, sich in dieser Weise in Gruppen einzufügen, und ihre eigenen, innewohnenden Ansichten und Wünsche automatisch anzupassen, um ins Gruppenideal zu passen. Der bizarre Mangel an Unabhängigkeit erklärt die Neigung der Neurotypischen, sich für verschiedenste Modeerscheinungen zu begeistern, oder für bestimmte Trends. Neurotypische ändern entsprechend dieser Trends ihre Art zu reden oder sich zu kleiden, und andere Neurotypische bewundern solch ein „trendiges“ Verhalten und ahmen dieses nach. Deshalb sind Neurotypische leichte Beute für TV-Werbung und andere Werbestrategien, das den Erwerb oder Gebrauch zahlreicher Produkte als gesellschaftlich wünschenswert oder „cool“ begehren lässt.

Das Bedürfnis neurotypischer Individuen, auf den neuesten Trend „aufzuspringen“, ist von ihren ausgeprägten Bedenken abhängig, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Neurotypische entwickeln ihr Selbstbild zumindest ebenso abhängig von den Ansichten ihrer Gleichgesinnten wie von ihren eigenen. Sie nehmen sich selbst nicht auf gleiche Art als Individuen wahr wie Du oder ich das tun; sie sehen sich selbst als individuelle Mitglieder einer Gruppe, aber in der Praxis lasten die Vorstellungen der anderen schwer auf ihnen und es gibt einen starken Antrieb, die Akzeptanz und Bewunderung anderer um sie herum zu erlangen, einschließlich vollkommen Fremder. Es gibt eine eingebaute Tendenz der Neurotypischen, sich einzufügen, sozusagen „Teil der Herde“ zu werden. Vielen von ihnen wird niemals bewusst, wie sehr ihre Ansichten von der Gruppe diktiert werden. Sie wollen die Dinge, die die Gruppe für wünschenswert erwachtet, und sie verinnerlichen diesen Wunsch so vollständig, dass es sich für sie anfühlt, als wäre es aus eigener Motivation entstanden.

Die überentwickelten sozialen Zentren im neurotypischen Gehirn sind zudem für ihren merkwürdigen, ineffizienten Kommunikationsstil verantwortlich. Wir haben alle schon die seltsame Tendenz der Neurotypischen gesehen, die ihre wahren kommunikativen Absichten unter Schichten häufig widersprüchlicher Aussagen verbergen. Sie neigen dazu, Sachen eher implizit als explizit festzustellen, und so vage, dass daraus oft Missverständnisse resultieren. Das scheint ein Auswuchs des neurotypischen Wunschs zu sein, seine Beliebtheit und sozialen Status aufrechtzuerhalten; sie scheinen zu glauben, dass ihre Beliebtheit eher aufrechterhalten wird, wenn sie indirekt potentiell langweilige oder anstößige Dinge behaupten. Diese zwanghafte Besorgnis über ihren sozialen Status macht die Kommunikation mit Neurotypischen manchmal eher schwierig. Sie sind unfähig, Dinge direkt in einer Weise auszudrücken, die leicht und unzweideutig von jedem, der die Sprache versteht, interpretiert werden kann. Sie sind außerdem in ihrer Fähigkeit begrenzt, Aussagen direkt zu interpretieren, ohne zwischen den Zeilen zu lesen versuchen; sie missverstehen auf diese Art oft die grundlegendsten Aussagen.

Menschen mit Neurotypismus neigen zu einer sehr schwammigen Kommunikation. Sie stellen Vermutungen über das Wissen ihrer Zuhörer an und lassen Teile aus, die dem Zuhörer mutmaßlich bekannt sind. Es ist ziemlich offensichtlich, dass diese Spekulationen oft falsch sein werden. Unglücklicherweise wird der Zuhörer, der nicht versteht, allgemein nicht um die Klarstellung derartiger Zweideutigkeiten bitten, da er befürchtet, vom Redner für dumm oder ignorant gehalten zu werden. Üblicherweise sind bei Neurotypischen das Bild nach außen und ihr Status wichtiger als effektive Kommunikation und generell die Wahrheit. Auf diese Art ist die Kommunikation unter Neurotypischen sehr beschränkt und die Furcht davor, als dumm gesehen zu werden, hält jeden Beteiligten davon ab, den Wahrheitsgehalt der Unterhaltung zu überprüfen. Entsprechend bleiben die meisten Kommunikationspannen von zumindest einem, wenn nicht allen Neurotypischen, die sich an einer derartigen Unterhaltung beteiligen, unentdeckt.

Neurotypische Individuen haben typischerweise eine sehr begrenzte Fähigkeit für logisches und rationales Denken. Die neueste Forschung auf diesem Gebiet weist daraufhin, dass neurotypische Menschen nicht fähig sind, ihre Emotionen von ihrer Logik zu trennen, und sie beides oft miteinander verwechseln. Das ist eine offensichtliche Erklärung für die manchmal schreckliche Unlogik, die in neurotypischem Verhalten hervortritt. Neurotypische zeigen typischerweise sehr eingeschränktes kritisches Denken, und sind leicht von eher unlogischen Dingen zu überzeugen. Leider sind die meisten gesellschaftlichen Positionen, die logisches und rationales Denken erfordern, von Neurotypischen besetzt, was eher von ihrer schieren Anzahl abhängig ist als von jeglicher Eignung für den Job. Das schließt Tätigkeiten mit wichtigen Funktionen ein wie etwa Geschworene, Gesetzgeber, Richter, Wähler, Ärzte und viele andere. Würde ihre Herdenmentalität nicht zu großen Fortpflanzungsraten führen, wäre ihre Zahl kleiner und sie könnten eher Tätigkeiten ausüben wie Verkäufer, Rezeptionist, Kassierer und andere, wo rationales Denken weniger gewichtet ist als soziales Miteinander.

Neurotypische haben eine sehr begrenzte Fähigkeit, sich für längere Zeit oder wiederholt auf ein Thema zu konzentrieren. Die augenscheinliche Abwesenheit von Spezialinteressen bei Neurotypischen ist bemerkenswert. Ihre Konzentration auf normale Interessensgebiete wie Computer, Technik, wissenschaftliche Interessen, Geschichte oder andere akademische Bereiche ist begrenzt und kurzlebig sowie relativ selten. Offenbar teilen nahezu alle Neurotypischen ein einziges Spezialinteresse: Kontakte knüpfen und pflegen. Das ist die einzige Aktivität, die eine Person mit Neurotypismus länger als nur für kurze Augenblicke ausüben kann. Die stereotype neurotypische Angewohnheit des „Plauderns“, bzw. verbal mit anderen zu kommunizieren, selbst wenn keine wichtigen oder nützlichen Informatione ausgetauscht werden, ist bemerkenswert, und kann recht oft bei Neurotypischen beobachtet werden, die sich an wiederkehrendem Sozialverhalten beteiligen. Warum der neurotypische Verstand so wenig flexibel bezüglich der Spezialinteressen ist, kann derzeit noch nicht erklärt werden. Soziales Interesse ist nicht wahnsinnig nützlich, was die Gesellschaft allgemein betrifft, und Neurotypische sind kaum in der Lage für bedeutende Erfindungen bzw. den gesellschaftlichen Fortschritt voranzutreiben.

Ohne signifikantes Eingreifen werden Neurotypische für weitere Generationen von uns abhängig sein. Unglücklicherweise sorgt die neurotypische Herdenmentalität für hohe Geburtenraten an Nachwuchs, der genetisch für Neurotypismus empfänglich ist, entsprechend wird die Häufigkeit des Neurotypismus beängstigend hoch bleiben. Zum Glück ging der prozentuale Anteil neurotypischer Geburten kürzlich zurück, obwohl er immer noch viel zu hoch ist, um beruhigt zu sein. Solange die Zahl der Neurotypischen so hoch bleibt, ist es unwahrscheinlich, dass sie uns ermöglicht, heilende Bemühungen einzuleiten, die ihnen beim Überwinden ihrer Behinderung behilflich ist.

Wir denken mitunter, dass es so traurig ist, wie neurotypische Kinder dazu trainiert werden, eine Gruppenmentalität aufrechtzuerhalten und ihre wahre Individualität aufzugeben, doch erscheint es zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass die neurotypischen Eltern dieser Kinder in der Lage sein werden, ihre zuvor erwähnten logischen Beeinträchtigungen zu überwinden, um einzusehen, wie wichtig das Eingreifen ist, wenn ihre Kinder ihr volles Potential ausschöpfen sollen. Es liegt an uns, sie aufzuklären, und ihnen zu zeigen, dass jedes Kind Größe besitzt, selbst wenn es mit Neurotypismus diagnostiziert wurde. Es kann Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben, wenn wir diese Kinder rechtzeitig erreichen.

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6 Gedanken zu “Neurotypische verstehen – Übersetzung einer Satire

  1. Eine bittere Satire. Weil sie klar macht, wie zufällig die Mehrheitsmeinung ist und weil sie das gleiche Unverständnis ausstrahlt, das einem sonst von NTs zuteil wird…

  2. Oh ja ich wohne mit meiner Mutter zusammen… harmoniesüchtige Menschen und Autisten passen nicht zusammen… die macht mich wahnsinnig, weil sie nicht EINEN direkten Satz sagen kann und z.B jegliche Aufforderungen als Frage formuliert. und sowiso fast krampfhaft nach jedem möglichen Zeichen von Ablehnung sucht – was sie so in jedem „Nichtloben“ sieht. – Anstrengend.

    Da kann ich ihr tausendmal sagen, das ich diese Beziehungsebene und diese Besülzungsbedürfnisse nicht grade als für mich gewinnbringend empfinde, vor allem wenn ich gestresst bin, aber grade da hat sie es besonders nötig „Nettigkeiten“ von mir zu hören um sich zu stabilisieren.

  3. Wie oft kann man bitte die Wörter Neurotypismus bzw. neurotypisch in so einem kurzen Text verwenden? Nicht gut geschrieben meiner Meinung nach.

  4. Erich Schnauze Siegfried
    Jetzt mal Spaß beiseite: wenn Neurotypismus heilbar wäre, wären solch schreckliche Dinge wie der 2. Weltkrieg und der Holocaust vielleicht nie passiert.

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