Vergleich der Symptome von Autismus und 47,XXY

Vergleich der Symptome zwischen Autismus und XXY:

Im DSM-V wird Autismus künftig anhand folgender Kriterien diagnostiziert:

Um die Diagnose ASS zu bekommen, muss man aus dem Gebiet 1 aus ALLEN drei Bereichen ein Kriterium erfüllen:

Gebiet 1: soziale Kommunikation

  • 1A: merkwürdige Kontaktaufnahme ODER Unfähigkeit, Gespräche aufrecht zu erhalten ODER keine Gespräche starten
  • 1B: kaum Verwendung von Mimik/Gestik ODER Auffälligkeiten bei Blickkontakt ODER Defiziten beim Verständnis nonverbaler Kommunikation
  • 1C: Defizite bei der Aufnahme und Aufrechterhaltung von Beziehungen

Zusätzlich müssen aus dem Gebiet 2 ZWEI Kriterien erfüllt werden.

Gebiet 2: Stereotypien/Rituale

  • 2A: Stereotypien ODER repetitive Bewegungen ODER Echolalie
  • 2B: Routinen
  • 2C: Spezialinteresse
  • 2D: Hyper- bze. Hyporeaktivität auf sensorische Reize oder andere Reize (neu!)

Gemäß dem Artikel über psychische Aspekte von KS , dieser Broschüre und einer Broschüre aus den USA haben viele, nicht alle XXY-Männer folgende Symptome

  • Reizfilterschwäche (Reizüberflutung, Übersensibilisierung zu Gerüchen, Berührung, Bewegungen, Geräuschen) –> 2D
  • Schwierigkeiten, eigene Emotionen und Emotionen bei anderen zu erfassen und zu interpretieren –> 1A, 1B
  • Geringes Interesse an Gleichaltrigen; Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten –> 1C

Damit sind schon fast alle notwendige Kriterien für eine ASS-Diagnose erfüllt. Der Hauptgrund, 47,XXY nicht mit Autismus gleichzusetzen, ist, dass damit der Testosteronmangel unterschlagen wird, der erwiesenermaßen zusätzliche negative Auswirkungen auf die Psyche haben kann.

Meiner persönlichen Meinung nach sollten XXY-Erwachsene und Eltern von XXY-Kindern gleichzeitig …

  • Testosteronmangel mit Endokrinologen bzw. Andrologen beraten und ggf. therapieren
  • autistische Verhaltensweisen mit speziell dafür ausgebildeten Therapeuten und praktischen Ratgebern, die für Autismus geschrieben wurden, angehen – sofern entsprechende Symptome vorhanden sind und dadurch Probleme/Leidensdruck entstehen

Denn in der amerikanischen Klinefelter-Broschüre findet sich auch der Hinweis

Some parents have found that special education services are more likely to be appropriate when the pediatrician provides a diagnosis under the classification of “other health impaired” such as Pervasive Developmental Disorder-NOS (PDD), rather than 47,XXY. Schools understand autistic-like behavioral and language difficulties when they occur in high-functioning children and many schools have programs in place to address these problems. In addition, these programs are mandated in many states for children with autism spectrum disorders of which PDD is one. The schools may not realize that XXY children often have the same deficits and are also eligible for these services.

Übersetzung

Manche Eltern fanden heraus, dass spezielle Bildungsämter geeigneter sind, wenn die Kinderärzte eine Diagnose unter der Klassifikation von „andere gesundheitliche Einschränkungen“ bereitstellen, wie etwa Tiefgreifende Entwicklungsstörung (PDD-NOS, Pervasive Development Disorders, Not otherwise specified), statt 47,XXY. Schulen verstehen autistisch-ähnliche Verhaltens- und Sprachschwierigkeiten, wenn sie bei hochfunktionalen Kindern auftreten, und viele Schulen haben dafür Förderprogramme entwickelt. Zudem sind diese Programme in vielen (US-Bundes)staaten für Kinder mit Autismusspektrumstörungen, zu denen PDD gehört, bevollmächtigt. Die Schulen erkennen möglicherweise nicht, dass XXY-Kinder oft die gleichen Defizite haben und ebenso einen Anspruch auf diese Dienste haben.

*

Das ist allerdings vorwiegend für die USA gültig, wo Autisten einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft besitzen bzw. nach Autisten als Arbeitskräfte gesucht wird, während im europäischen Raum viele mit Autismus nichts anfangen können und Vorurteile überwiegen. Defizitdenken statt Stärkendenken leider die Regel, nicht die Ausnahme. Menschen mit Klinefelter-Syndrom haben es daher doppelt schwer. Nicht nur haben die allerwenigsten je von Klinefelter gehört, und verbinden, wenn überhaupt, nur die körperlichen Defizite damit, sondern sind ADHS und Autismus, die dem Klinefelter-Verhalten noch am nähesten kommen, mit allerlei Stigmatisierung vorbelastet.

Auch deswegen ist mir das Engagement für alle drei Konditionen Klinefelter-Syndrom, ADHS und Autismus so ein großes Anliegen: Wir sitzen alle im selben Boot.

*

Hier ein Beispiel für eine positive Autismus-Definition: „Was ist Autismus“ von Nick Walker, einem autistischen Multitalent.

Ein Auszug dieser Definition passt auch gut auf die XXY-Männer, von denen ebenfalls viele den Begriff Störung oder Erkrankung ablehnen, weil sie ihre Andersartigkeit als Teil der menschlichen Vielfalt verstehen, und die moralische Wertung, was normal und was abnormal sei, zurückweisen

Autism is still widely regarded as a “disorder,” but this view has been challenged in recent years by proponents of the neurodiversity model, which holds that autism and other neurocognitive variants are simply part of the natural spectrum of human biodiversity, like variations in ethnicity or sexual orientation (which have also been pathologized in the past). Ultimately, to describe autism as a disorder represents a value judgment rather than a scientific fact.

Übersetzung:

Autismus wird verbreitet als eine „Störung“ betrachtet, doch diese Ansicht wurde in den vergangenen Jahren durch die Befürworter des Neurodiversitätsmodells in Frage gestellt, das postuliert, dass Autismus und andere neurokognitiven Varianten bloß ein Teil des natürlichen Spektrums menschlicher Vielfalt sind, wie Variationen in der Ethnik oder sexuellen Orientierung (die in der Vergangenheit ebenfalls pathologisiert wurden). Letzendlich repräsentiert die Beschreibung von Autismus als Störung eher ein wertendes Urteil als eine wissenschaftliche Tatsache.

Quelle: sein Blog Neurocosmopolitan

Leider ist die Gesellschaft nicht soweit, menschliche Vielfalt als solche zu benennen. Der Trend geht eher ins Gegenteil: Alles, was von einer willkürlich festgelegten Norm abweicht, ist eine Störung und muss behandelt werden, um diese willkürlich festgelegte Norm zu erreichen. Sicherlich funktioniert das gesellschaftliche Zusammenleben nur aufgrund von Normen, aufgrund von Regeln und Pflichten. Allerdings gehört dazu auch die Rücksichtnahme. Und jemand, der aufgrund seiner Geräuschempfindlichkeit nur schwer dem Unterricht folgen kann, verhält sich nicht abnorm, sondern es sind die anderen, die den Geräuschteppich mitverursachen, die sich rücksichtslos verhalten. Es ist wie mit dem Rauchen. Durch Nichtrauchen (= Ruhe) wird niemand belästigt, aber Rauchen (= Lärm) belästigt jene, die sich durch Rauch gestört fühlen (= Ruhe brauchen).

Wir erachten es als selbstverständlich, dass es etwa Feinstaubregelungen gibt, und dass bei hoher Ozonbelastung weniger Auto gefahren wird, da beides gesundheitsschädlich ist. Lärm ist jedoch ebenfalls gesundheitsschädlich, und motorisierte Zweiräder geräuschärmer zu gestalten, ein generelles Tempolimit auch in Großstädten, zumindest in Wohngebieten, durchzusetzen, wäre ebenfalls der Gesundheit zuträglich. Davon profitieren alle, auch der Individualverkehr, der flüssiger läuft und weniger Sprit verbraucht.

Rücksichtnahme auf die Überempfindlichkeit eines anderen Menschen gegenüber Reizen ist lästig, denn sie erfordert zusätzliche Aufmerksamkeit, zusätzliche Arbeit, sich in den anderen hineinversetzen müssen. Dabei betrifft dies längst nicht nur Autisten oder XXY-Männer, sondern es gibt auch andere Zustände oder Veranlagungen, bei denen es zu Hochsensibilität kommt, etwa bei Menschen mit Depressionen, chronischem Schlafdefizit, Traumata oder bei ADHS. Insgesamt sind das nicht wenige Menschen, für die etwas mehr Rücksichtnahme zu deutlich verbesserter Lebensqualität – in allen Bereichen – führen würde.

Sicherlich hat dies auch Grenzen. Ich kann in einem Kaffeehaus oder in einem gut besuchten Lokal nicht erwarten, dass sich sämtliche Gäste an den Nachbartischen nur im Flüsterton unterhalten, oder dass die Lautstärke der Musik heruntergedreht wird, nur weil sich zwei hypersensible Menschen nicht mehr unterhalten können. Gewisse Einschränkungen wird es immer geben und erfordern auch die individuelle Anpassung an die Situation. Ich besuche das Kaffeehaus dann eben nicht zur Stoßzeit, gehe lieber in den Schanigarten oder suche mir etwas mit  nicht zu schallender Akustik.

Werbeanzeigen

Knowledge is Strength/Wissen ist Macht

Der Weg ist noch lang, um zu enthüllen, was sich unter meiner Persönlichkeit verbirgt. Zerstreuung hat für mich eine andere Bedeutung als für Gleichaltrige. Erholung kann sowohl Entspannung, Nichtstun oder sich zerstreuen sein. Für mich ist Zerstreuung kreativ sein. Ich liebe es, Wanderpläne zu schmieden, zu fotografieren oder einfach herumzugehen und Streetfotos zu machen. Der entspannende Teil danach ist die Bearbeitung und Verbesserung der Bilder. Ich kann das mehrere Stunden ohne Unterbrechung machen. Wanderberichte schreiben ist ebenso eine Möglichkeit abzuschalten. Ein gemeinsamer Schnittpunkt nahezu all meiner Freizeitinteressen ist die Forschung. Nicht nur Wandern, Landschaften oder Streetfotografie, sondern auch Architektur und ein Blog wie dieser. Ich liebe es, Muster zu identifizieren, historische Daten herauszusuchen, Geschichte selbst zu lesen und Verbindungen zu verstehen. Der Grund für diesen Blog war, dass ich nicht alle Aspekte meiner Persönlichkeit im sogenannten Klinefelter-Syndrom wiederfinden kann, das – wie ich heute glaube – nur die körperlichen Eigenschaften beschreibt, während Komorbiditäten die resultierende Persönlichkeit erklären, und eben nicht nur Defizite, sondern auch Stärken.

Forschen und Informationen sammeln, die eine große Bandbreite abdecken, ist der entspannende Teil meiner Freizeitaktivitäten. Befriedigung kommt auf, wenn ich in der Lage bin, diese Informationen in verständliche Artikel zu komprimieren. Ich denke, da ist nichts falsches daran, wenn sich jemand dadurch entspannt, in der Welt der Wissenschaft und Forschung versunken zu sein. Es bedeutet lediglich, seine Schwächen und Stärken in eine angemessenere Beziehung zueinander zu setzen, was nicht mir einem selbst, sondern auch anderen weiterhilft.

Meine neueste Forschung widmete sich der Reizüberflutung bei XXY-Männern, wo ich versucht habe, mehr über Reizfilterschwäche (Überreizung durch Informationen, unabhängig davon, ob es sich um sensorische Reize oder um verbale/schriftliche Informationen handelt) herauszufinden.

Mich interessiert es sehr, ob es mehr XXY-diagnostizierte Männer gibt, die unter Reizüberflutung leiden, z.B. durch Hintergrundlärm, Verkehrslärm, Menschengruppen und einem Gespräch folgen, wenn Hintergrundlärm vorhanden ist. Habt ihr auch weitere sensorische Reizüberflutungen, etwa durch Hitze/Kälte, Schmerz, Licht, Stoff, etc?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!

***

It’s a long way to go. To reveal the complexity beneath my personality. Distraction has a different meaning for me compared with peers. Recreation could be the result of relaxing, doing just nothing or just for distraction. For me, distraction is creativity. I love making hiking plans, I love photography, just walking around and shooting street photos. The relaxing part thereafter is editing and improving pictures. I am able to edit several hours in a row. Writing hiking reports is recreative, too. One sharing part of nearly all of my freetime interests is research. Not only with hiking, landscape or street photography but also with architecture and a blog like this one. I just like to look for patterns, historical dates, history itself and understand connections. The reason for this blog is I could not discover all aspects of my personality in so-called Klinefelter’s syndrom which – I believe now – only describes a physical condition while comorbidities might explain the subsequent personality, not only deficits but also strengths.

Research and collecting information covering a wide range of topics is the recreative part of my spare-time activity. Satisfaction arises when I am able to condense that information into comprehensible articles.  I think there is nothing wrong when someone’s recreation expresses  as being immersed in the world of science and research. It’s just the power to put deficits and strengths in a more appropiate relationship eventually help for himself and others.

My latest research addressed to sensory overload issues with XXY males, where I tried to find answers to the question of reduced sensory gating (overload of incoming information irrespective of sensorial impulses or verbal/written information). I would be glad to know if there are more XXY-diagnosed men experiencing sensory overload like difficulties with background noise, traffic noise, groups of people and listening while there is background noise.
Do further sensory impulses exist like sensitivity to temperature, pain, light, textures, etc.?

Feel free to comment below this article!